Inland
ARD und ZDF zahlen bis zu 122 Millionen Euro für Nations League
Zustimmungsverfahren in den Aufsichtsgremien vor dem Abschluss
München, Köln (epd). ARD und ZDF greifen für die TV-Rechte an der neuen Uefa Nations League tief in die Tasche. Nach epd-Informationen bezahlen die Sender insgesamt bis zu 122 Millionen Euro für die zwei Spielzeiten der europäischen Fußball-Nationenliga in den Jahren 2018/19 und 2020/21. Im Paket enthalten sind bis zu zwölf Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Scheidet das DFB-Team zu einem frühen Zeitpunkt aus, fällt ein etwas niedrigerer Preis an.

Einige der zuständigen öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremien haben den Rechtekauf bereits genehmigt. In manchen Rundfunkräten stieß die hohe Kaufsumme auf Kritik. Die ARD rechnet damit, dass das Zustimmungsverfahren innerhalb des Senderverbunds bis Ende des Monats abgeschlossen ist. Wie ein ZDF-Sprecher dem epd am 24. Oktober sagte, gab auch der ZDF-Verwaltungsrat bereits grünes Licht für den Erwerb der Nations-League-Übertragungsrechte.

Der WDR-Rundfunkrat verteidigte seine Zustimmung zu den Verträgen, die das Gremium am 20. Oktober beschlossen hatte. "Gerade in der laufenden Diskussion über die Legitimität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks war die große Mehrheit im Rundfunkrat der Auffassung, dass öffentlich-rechtlich, das heißt auch kostenfrei, die Nationalmannschaft zu sehen sein muss", sagte der Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber der "Süddeutschen Zeitung" (Ausgabe vom 24. Oktober). "Wir müssen aber evaluieren, was dieser neue Wettbewerb überhaupt leistet."

Wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen keine Spiele der Nationalmannschaft zeige, geht die "Beitragslegitimation" verloren, sagte Meyer-Lauber. "Und realistisch gesehen: Hätte der Rundfunkrat dem Vertrag nicht zugestimmt, wäre der Rundfunkbeitrag nicht gesunken." Zugleich kündigte der Gremiumsvorsitzende an, der WDR-Rundfunkrat werde "beliebige weitere Preissteigerungen nicht mehr mitmachen" und "sehr genau hinschauen", ob die versprochenen hohen Einschaltquoten den Öffentlich-Rechtlichen wirklich nutzen.

221 Millionen für Olympia-Sublizenz

Die Nations League beginnt im September 2018 mit einer Gruppenphase, ARD und ZDF hatten die Übertragungsrechte im Sommer erworben (epd 38/17). Das erste Final-Four-Turnier, bei dem der Sieger ermittelt wird, soll im Juni 2019 stattfinden. ARD und ZDF hatten zuletzt die Rechte für die Qualifikationsspiele zu EM und WM an RTL verloren und seither das Problem, dass die Fußball-Nationalmannschaft zwischen den großen Turnieren kaum noch im Programm vorkommt.

ARD und ZDF wenden derzeit zusammen im Schnitt zwischen 600 Millionen und 700 Millionen Euro pro Jahr für das Thema Sport auf (epd 42/17). In Jahren mit großen Sportereignissen sind die Summen deutlich höher: 2014, als eine Fußball-WM und Olympische Winterspiele stattfanden, fielen nach Angaben der Gebührenkommission KEF Sportkosten von insgesamt mehr als 900 Millionen Euro bei den öffentlich-rechtlichen Sendern an.

Für die Fußball-WM 2018 in Russland zahlen die Sender 218 Millionen Euro an den Fußball-Weltverband Fifa. Die Sublizenz für die Olympischen Spiele von 2018 bis 2024, die ARD und ZDF vom US-Konzern Discovery erwarben, schlägt nach epd-Informationen mit gut 221 Millionen Euro zu Buche.

Aus epd medien Nr. 43 vom 27. Oktober 2017

tz/rid