Inland
ARD und ZDF wollen bei Olympia-Übertragung Kosten sparen
Gemeinsames Sendezentrum in Leipzig - Auch Eurosport berichtet umfangreich
Berlin (epd). ARD und ZDF wollen die Übertragung der Olympischen Winterspiele 2018 aus Südkorea günstiger produzieren als im Vergleichsjahr 2014. Durch die Einrichtung eines gemeinsamen Sendezentrums in Leipzig werde man Kosten reduzieren, teilten die Sender am 12. Dezember mit. Dadurch werde rund ein Drittel weniger Mitarbeiter am Ort der Austragungen sein, wie der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ZDF in Berlin sagte.

Laut ZDF-Chefredakteur Peter Frey werden die Produktionskosten für sein Haus "etwas weniger" als 2014 im russischen Sotschi betragen. Sie lägen knapp unter einem zweistelligen Millionenbetrag, sagte er. Insgesamt wollen ARD und ZDF während der Spiele vom 9. bis 25. Februar in Pyeongchang rund 230 Stunden Wintersport im Fernsehen zeigen.

Grund für die Einrichtung des Sendezentrums sei auch die kurze Vorbereitungszeit, erklärten die Sender. ARD und ZDF hatten nach bereits gescheiterten Verhandlungen mit dem Rechteinhaber, dem US-Konzern Discovery Communications, im August doch noch den Zuschlag für eine Sublizenz erhalten. "Das war wirklich knapp", sagte Frey. Zwischenzeitlich habe er die Übertragungsrechte bereits "verloren gegeben". Er sei froh, dass sich die "Preisspirale nicht ins Endlose gedreht" habe (epd 49, 51-52/16, 1, 8, 33/17).

Für das Rechtepaket, das die Übertragung der Olympischen Winter- und Sommerspiele in Fernsehen, Internet und Radio von 2018 bis 2024 umfasst, zahlen ARD und ZDF 221 Millionen Euro. Die olympischen Disziplinen Eiskunstlauf, Snowboard und Short Track übertragen die Sender aus Südkorea zeitversetzt und nicht live. Im Eishockey ermögliche das Rechtepaket nur Live-Übertragungen deutscher Spiele und des Finales, erläuterte Thomas Fuhrmann, Chef des ZDF-Olympiateams. Den Verzicht auf die Live-Rechte bei diesen Disziplinen bezeichnete er als "klassischen Kompromiss", den man zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Discovery habe eingehen müssen.

Sicherheitsbedenken wegen der anspannten Lage zwischen Nord- und Südkorea haben die Sender nicht. Da auch Nordkorea eine Mannschaft entsende, glaube er, dass aus dem Land höchstens Provokationen zu erwarten seien, sagte Frey. ARD-Moderatorin Jessy Wellmer, die erstmals von Olympischen Winterspielen berichtet, rechnet aber mit "politischen Spielen". Für die ARD reisen Wellmer und Gerhard Delling, fürs ZDF Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne als Moderatoren nach Pyeongchang. Als Experten nimmt die ARD unter anderem Katarina Witt und Maria Höfl-Riesch mit, für das ZDF kommentieren unter anderem Marco Büchel und Toni Innauer.

Auch die Discovery-Tochter Eurosport wird umfangreich über die Winterspiele berichten. Eurosport verspricht, dass die Zuschauer "jede einzelne Sekunde der Olympischen Winterspiele über mehr Bildschirme und Plattformen als je zuvor" verfolgen können. Im Livestreaming-Angebot Eurosport Player würden mehr als 4.000 Stunden Programm gezeigt, davon über 900 Stunden live. Durch die Ausspielmöglichkeit auf allen Geräten wolle man die Olympischen Spiele "einem noch breiteren und jüngeren Publikum zugänglich machen", teilte der Konzern mit.

Im linearen Fernsehen werde 2018 das bisher umfassendste Olympia-Angebot in Free- und Pay-TV stattfinden, kündigte Discovery an. So werde im Free-TV bei Eurosport 1 rund um die Uhr berichtet sowie zusätzlich auf TLC und im Pay-TV bei Eurosport 2. Jeweils am frühen Abend zwischen 16.30 Uhr und 20.15 Uhr fasse Eurosport die Höhepunkte des Tages zusammen. Um 20.15 Uhr laufe auf Eurosport 1 und TLC die Sendung "Zwanzig18 - Die Olympia Show", die einen "unterhaltsamen, außergewöhnlichen Rückblick auf den Olympiatag" biete. Vorgesehen sind unter anderem Musik, Comedy, Talk und Spiele. Moderatoren sind Marco Schreyl und Julia Kleine.
Aus epd medien Nr. 50 vom 15. Dezember 2017

cd/rid