Inland
ARD sucht im Fall Wedel in den Archiven
Wilhelm: Um Kulturwandel bemüht - Idee für externe Stelle wird unterstützt
München (epd). Nach den Vorwürfen gegen den Filmregisseur Dieter Wedel sucht die ARD in den Archiven ihrer Sender und Produktionsfirmen nach Belegen. "Sobald die Untersuchungen beendet sind, wahrscheinlich in einigen Wochen, werden wir die Ergebnisse öffentlich machen - soweit das im Rahmen des Opferschutzes möglich ist", sagte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm am 7. Februar.

Bei einer zweitägigen Sitzung der ARD-Intendanten in München ging es auch um die Neugestaltung des Telemedienauftrages, der die Präsenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet regelt, sowie um Strukturreformen.

Mehrere Schauspielerinnen werfen Wedel sexuelle Übergriffe vor, der Regisseur bestreitet die Darstellungen (epd 5/18). Wilhelm sagte, man bemühe sich um einen Kulturwandel im eigenen Haus. Es gehe etwa darum zu erkennen, wo es Gefahrenpotenziale durch starke Machtgefälle gebe. Sowohl junge Mitarbeiter wie Auszubildende und Volontäre als auch Führungskräfte würden bereits zum Thema geschult. Es gebe auch schon zahlreiche interne Ansprechpartner. Diese sollten auch freien Mitarbeitern zur Verfügung stehen, wenn es bei gemeinsamen Projekten zu Problemen komme, sagte der ARD-Vorsitzende.

Auch bei einer externen Stelle für die gesamte kreative Szene, die unter anderem von Schauspielern und vom Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung angeregt wird (vgl. weitere Meldung in dieser Ausgabe), wolle man sich beteiligen. Diese könne ein "großer Hebel für Veränderungen sein", sagte Wilhelm, der Intendant der BR ist.

Im Hinblick auf den Telemedienauftrag sagte Wilhelm, die Medienpräsenz im Internet sei ein wichtiges gesellschaftspolitisches Gestaltungsfeld. Der ARD-Vorsitzende warnte vor der wachsenden Präsenz von Anbietern ohne Medienerfahrung wie T-Online, Vodafone oder web.de im Netz, die verstärkt inhaltliche Beiträge verbreiteten, ohne demselben Presseethos oder der Kontrolle zu unterliegen wie Verlage und Rundfunkanstalten. Die Ministerpräsidenten hatten einen Beschluss zur Reform der Online-Aktivitäten von ARD und ZDF bei ihrem Treffen am 1. Februar in Berlin erneut vertagt (vgl. weitere Meldung in dieser Ausgabe).

Bei den internen Strukturen wolle die ARD - wo immer möglich - schlanker und effizienter werden und die Zusammenarbeit zwischen den Landesrundfunkanstalten verbessern, sagte Wilhelm. Dies dürfe jedoch nicht auf Kosten der Qualität und des Umfangs der Programme gehen. Ein föderaler Staat wie Deutschland brauche auch regional starke und publizistisch vielfältige Rundfunkanstalten.

Bei der ARD-Berichterstattung von den Olympischen Winterspielen in Südkorea habe man im Vergleich zu 2014 nochmals eingespart. So werde ein großer Teil der Berichterstattung aus Deutschland stattfinden, so Wilhelm. Nur noch etwa 300 Mitarbeiter seien vor Ort, im Vergleich zu mehr als 400 bei den Spielen in Sotschi (epd 50/17).

Die ARD sei aus Sicht der Zuschauer das qualitativ beste Fernsehprogramm, wie der repräsentative ARD-Trend 2017 zeige, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres. So habe etwa die "Tagesschau" im vergangenen Jahr die größte Zuschauerzahl in ihrer Geschichte gehabt. Man dürfe sich auf diesen Ergebnissen aber nicht ausruhen, betonte Herres. Es gebe auch beunruhigende Entwicklungen: So fühlten sich Teile der Bevölkerung von den öffentlich-rechtlichen Medien nicht vertreten. Wie man dieser Entwicklung mit unabhängiger und sachlicher Berichterstattung entgegenwirken könne, wie die Bürger urteilsfähig gemacht werden könnten und was auch in Zukunft die Rolle der öffentlich-rechtlichen Programme sei, solle vertieft diskutiert werden.

Mit dem Start der ARD-Audiothek-App zeigte sich Martin Wagner, Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission, sehr zufrieden. Seit Anfang November 2017 sei die Anwendung für mobile Endgeräte, die ein Best-of der Wortbeiträge der ARD-Radios und des Deutschlandradios versammelt, bereits über 320.000 Mal heruntergeladen worden (vgl. Leitartikel in dieser Ausgabe).

Erfreut zeigte sich Wagner auch über die vorzeitige Verlängerung des internationalen ARD-Musikwettbewerbs bis 2024, der einen wichtigen Platz in der Kulturförderung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einnehme. Der aktuelle Vertrag, der 2020 ausläuft, war verlängert worden, um Planungssicherheit zu schaffen. "Die ARD betreibt damit Nachwuchs-Förderung auf allerhöchstem Niveau", erklärte der Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission. Mit 640 Bewerbern habe die ARD im vergangenen Jahr weltweit erneut einen Rekord gebrochen. Der Wettbewerb unterstreiche den Stellenwert der ARD als Bildungseinrichtung und Kulturinstitution sowie als "unverzichtbarer Förderer der klassischen Musik".

Aus epd medien Nr. 6 vom 9. Februar 2018

lbm/rks/rid