ökumene
Der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (l.), überreicht Karl Kardinal Lehmann die Luther-Medaille
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Verleihung der Martin-Luther-Medaille der Evangelischen Kirche in Deutschland
Laudatio auf Karl Kardinal Lehmann
Sehr geehrter Herr Kardinal, lieber Bruder Lehmann, Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland ehrt Sie heute mit der Martin-Luther-Medaille in Anerkennung Ihrer besonderen ökumenischen Verdienste. Sie haben sehr bald für das Reformationsjubiläum und -gedenken als ökumenische Chance geworben. Wir sind froh, dass auf dem gemeinsamen Weg unserer beiden Kirchen viele Skeptiker zu Befürwortern wurden. Heute beginnt das Jahr des Reformationsjubiläums und -gedenkens. Ja, es ist beides: ein Gedenken und ein Jubiläum! Wir haben gelernt, dass beides nicht gegeneinander ausgespielt werden darf. Die ökumenische Vorbereitung mündet nun ein in ein gemeinsames Christuszeugnis und über das ganze Jahr gefeiertes Christusfest. Es ist ein wichtiges Signal, dass Papst Franziskus heute im schwedischen Lund mit dem Präsidenten und dem Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes in einem gemeinsamen Gottesdienst die »Gaben der Reformation« würdigt. Und wir winken heute voller Freude zu unseren Brüdern und Schwestern in Lund!

Ihr Satz »Wir bleiben zusammen« ist in den letzten Monaten häufig zitiert worden. Und er wird mit Nachdruck aufgenommen von Ihrem Nachnachfolger als Vorsitzendem der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx, der bei unserer gemeinsamen Pilgerreise ins Heilige Land noch einmal bekräftigt hat: Uns kriegt niemand auseinander! Ihre darin noch einmal Bestätigung findenden Worte zeugen von dem großen gegenseitigen Vertrauen, das unsere Kirchen einander inzwischen schenken. Ich sage das gerade mit Blick auf Ihre Person. Wir als Evangelische sind dankbar für das Vertrauen, das wir in Sie haben konnten und das Sie uns schenkten.

Für die römisch-katholische Kirche war das Zweite Vatikanische Konzil ein Meilenstein der Ökumene. Sie, lieber Bruder Lehmann, haben als junger Theologe und Mitarbeiter von Karl Rahner dieses Konzil miterlebt. Im Laufe Ihres Lebens wurden Sie zu einer prägenden Persönlichkeit auf dem ökumenischen Weg Ihrer Kirche. Schon früh haben Sie die pastorale Herausforderung im Blick auf die damals so genannten konfessionsverschiedenen Ehen gesehen. Diese seelsorgerliche Dimension blieb zeitlebens ein starker ökumenischer Antrieb für Ihre Arbeit als Theologe, Bischof und Kardinal.

Auf den ökumenischen Aufbruch vor 50 Jahren folgte mancher Rückschlag. In Zeiten der Stagnation sprachen Sie dennoch zuversichtlich von »der Glut unter der Asche« und »vom langen Atem«, den die Ökumene in unseren Kirchen brauche. Diesen Atem haben Sie gezeigt, die Früchte werden jetzt sichtbar. Dafür danke ich Ihnen von Herzen ganz persönlich. Es erfüllt mich darum mit großer Dankbarkeit, dass Sie, lieber Bruder Lehmann, uns die Ehre erweisen, die Martin-Luther-Medaille anzunehmen.

Wir überreichen sie Ihnen in tief empfundener ökumenischer Verbundenheit und in Hochachtung gegenüber einer Persönlichkeit, die jenseits konfessioneller Grenzen viele menschlich und geistlich inspiriert hat. Nicht zuletzt dank der Saat, die Sie mit ausgesät haben, gehen wir in dieses Reformationsjubiläumsjahr mit einer großen ökumenischen Hoffnung.

Herzlichen Glückwunsch zur Luther-Medaille!
 

Aus epd-Dokumentation 47/16 vom 22. November 2016

Von Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD

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