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Kung Fu Hustle Ein außergewöhnlicher Marterial-Arts-Film von Stephen Chow
Vergessen wir für einen Moment die viel beschworenen amerikanischen „Blockbuster“ wie Königreich der Himmel oder Star Wars. Die Überraschung dieser Kinosaison kommt aus Hongkong, stammt von dem dortigen Superstar Stephen Chow und heißt Kung Fu Hustle: eine anarchisch-humorvolle Martial-Arts-Extravaganza, die an Einfallsreichtum, Energie und visueller Kraft kaum zu überbieten ist. Der Titel des Films ist Programm: Kung Fu Hustle jagt von einem atemberaubenden Kampf zum nächsten, wobei es Chow fast immer gelingt, das gerade Gesehene noch zu überbieten. Der Film spielt in einem Fantasy-Shanghai der dreißiger Jahre. Die Stadt wird von der eleganten „Axe Gang“ beherrscht, die ihre Gegner vorzugsweise mit Wurfbeilen niedermetzelt und nach vollbrachter Tat bisweilen in Busby-Berkeley-hafte Tanzeinlagen verfällt. Als der junge Tagedieb Sing (Chow) sich in einem Slum namens Pig Sty Alley als Mitglied der Axe-Gang aufführt, ruft das schon bald die echten Ganoven auf den Plan. Allerdings erweisen sich die skurrilen Bewohner der Alley als überaus schlagkräftige Gegner. Anders als etwa Ang Lee bei Tiger & Dragon oder Zhang Yimou bei Hero versucht Chow gar nicht erst, es mit seiner Geschichte dem bildungsbürgerlichen Arthouse-Publikum recht zu machen. Seine Story ist purer Pulp in typischer Hongkong-Manier. Dabei zeigt sich mit Blick auf Tarantinos Kung-Fu-Versuch Kill Bill, welch frappierenden Unterschied es macht, ob ein Martial-Arts-Regisseur den entsprechenden kulturellen Hintergrund mitbringt. Bleibt der eine fast zwangsläufig in kitschhafter Pose stecken, hat man bei dem anderen das Gefühl, dass er instinktiv den richtigen Ton trifft.
Mehr noch als in seinem wundervollen Shaolin Soccer, dem wohl ersten pazifistischen Martial-Arts-Film, stehen die aufwändigen Kampfszenen in Kung Fu Hustle auch im Dienst der Figurenzeichnung – das alte Filmklischee von Charakteren, die sich durch „Action“ definieren, kommt bei Chow zu ungeahnter, poetischer Wahrhaftigkeit. Selbst die herunter gekommene Pig Sty Alley ist bei ihm nicht nur detailreiche Kulisse. Als kurioser Mikrokosmos steht sie praktisch im Zentrum der Geschichte: eine soziologische Fundgrube, die Chow zu einer Reihe pointierter Gags inspiriert.
Aber vielleicht rührt das große Vergnügen dieses Films gerade auch aus dem Gefühl, dass hier einer keine Entscheidungen nach marktstrategischem Kalkül getroffen hat. Und mit seiner überbordenden Fantasie versetzt Stephen Chow nicht nur das Publikum in fortwährendes Staunen – er zeigt auch Hollywoods dekadenten Regie-Titanen, wie persönliches Kino ohne Kompromisse aussehen kann. Kai Mihm Eine skurrile Kung-Fu-Truppe im Kampf gegen eine mörderische Gangsterbande: Stephen Chows extravagantes Martial-Arts-Poem ist einer der unterhaltsamsten Filme seit langem. Gong fu Start: 2.6. (D, CH), 3.6. (A) epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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Natürlich erweist auch Chow seinen popkulturellen Vorbildern Referenz. Und wenngleich sich Kung Fu Hustle einer klaren Beschreibung entzieht, könnte man ihn aus westlicher Sicht am ehesten als Mischung aus Tex-Avery-Cartoons, Bruce-Lee-Hommage, Buster-Keaton-Komik, Peking-Oper und Fred-Astaire-Eleganz beschreiben. Wobei die hintergründigen Verweise vor allem dazu dienen, die Stimmung eines filmischen Moments zu unterstreichen, etwa wenn Chow ein Liebespaar vor einem Poster zum Astaire-Rogers-Klassiker „Ich tanz' mich in dein Herz hinein“ inszeniert.
Im Angesicht tödlicher Gefahr wächst hier eine Ansammlung egoistischer Rabauken zu einer moralischen Gemeinschaft zusammen. Und wie sich die Bewohner der „Schweinestall-Allee“ einer nach dem anderen als geheime Kung-Fu-Maestros entpuppen, gehört zu den schönsten Momenten des Films. Die Protagonisten sind denn auch keine jungen Athleten, sondern eine kauzige Außenseiterbande vorgerückten Alters – gespielt zwar von legendären Darstellern alter Hongkong-Filme sowie dem Ex-Bond-Girl Yuen Qui in ihrer ersten Filmrolle seit 28 Jahren, aber trotzdem nicht gerade das, was die Actionzielgruppe als Identifikationsfiguren betrachtet.