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Am Tag, als Bobby Ewing starb Das Leben in einer Landkommune kann ganz schön anstrengend sein
Die achtziger Jahre waren keine nette Zeit, so viel steht fest. Der Aufbruch der späten Sechziger war schon längst verflogen, in Bonn regierte Helmut Kohl, und die Linke hatte sich in die Institutionen und aufs Land verzogen. Wenn man zurückblickt auf jene Jahre, liegt irgendwie ein Grauschleier über der Erinnerung. Eine bleierne Zeit – in der aber wahrscheinlich so viele Leute auf die Straße gegangen sind wie nie mehr danach, für Anti-AKW-Demos, gegen die Nachrüstung oder den Flughafenausbau. Und dienstags kam „Dallas“. Das gibt es sogar in der Landkommune in der Nähe der Baustelle des Atommeilers Brokdorf in Schleswig-Holstein, in die der junge Niels mit seiner Mutter Hanne zieht. Die Eltern haben sich scheiden lassen, und für Niels tut sich eine fremde Welt auf: An der Fassade des alten Bauernhauses prangt ein großer Regenbogen, und schon bei ihrer Ankunft rennen die WGler nackt zum Badezuber im Garten. Innerhalb der WG ist Peter so etwas wie das Oberhaupt – zumindest kann er den Laster fahren, mit dem es zur AKW-Baustelle geht. Diskutiert wird viel, tagsüber und am Abend, und über allem hängt die Pflicht zur Selbstverwirklichung.
Rudolf Worschech Eine beeindruckende Zeitreise in die achtziger Jahre: wie der junge Niels und eine Landkommune lernen, miteinander auszukommen. Lars Jessen, für sein Kinodebüt beim Ophüls Preis ausgezeichnet, wirft mit einem hervorragenden Darstellerensemble einen sympathischen Blick zurück, ohne Nostalgie und ohne Satire. Deutschland 2005. R: Lars Jessen. B: Ingo Haeb, Kai Hensel, Lars Jessen. P: Elke Peters. K: Andreas Höfer. Sch: Elke Schloo. M: Paul Rabiger. T: Stephan Hyndes, Bianca Ihnken. A: Heike Lauer-Schnurr. Ko: Simone Simon. Pg: Neue Mira/RB/ NDR/Arte. V: jetfilm. L: 92 Min. DEA: Max-Ophüls Festival 2005. Da: Peter Lohmeyer (Peter), Gabriela Maria Schmeide (Hanne), Franz Dinda (Niels), Nina Petri (Gesine), Richy Müller (Eckardt), Luise Helm (Martina), Jens Münchow (Rakete) und Matthias Schweighöfer, Adrian Topol. Start: 2.6. (D) epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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Wenn man das erste Mal Peter Lohmeyer als Peter mit langen Haaren, die ihm einen Hauch von Karikatur geben, sieht, fragt man sich unwillkürlich: Kann das gut gehen? Schon einmal, in Sie haben Knut, ist der Versuch eines deutschen Films, diese Ära einzufangen, in Sprechblasen und der Verulkung der Rhetorik jener Jahre stecken geblieben. Aber dem jungen Regisseur Lars Jessen, 1969 geboren und selbst kommunenerfahren, gelang ein einfühlsamer und authentischer Film über den Alltag auf dem Lande. Weil er bei allem Schmunzeln über Pazifismus und fleischlose Ernährung eine tiefe Sympathie für seine Figuren zeigt. Und weil Jessen sich auf den Kunstgriff besonnen hat, das Leben in der Wilster Marsch aus der Perspektive des jungen Niels zu zeigen, der, auf seine Weise, wieder gegen die Elterngeneration revoltiert. Denn Anschluss findet Niels eher beim unemanzipierten Teil der Landbevölkerung, beim Rocker Rakete (der so heißt, weil er im Kopf gerade nicht so schnell ist). Die Leidtragenden in diesem Film sind die Heranwachsenden: Niels kann sich nur schwer damit abfinden, dass seine Mutter etwas mit Peter anfängt; Martina hingegen, die Tochter des Wirts und Bürgermeisters, in die Niels sich verliebt, verlässt ihren autoritären Vater.
Am Tag, als Bobby Ewing stirbt – das muss am Ende der neunten Staffel gewesen sein –, passiert auch noch ein viel größeres Unglück: die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Wir wissen, dass Bobby zu Beginn der zehnten Staffel wieder aufgetaucht ist (weil der Tod nur ein Traum von Pam war), aber nach Tschernobyl wird die Welt nicht mehr dieselbe sein. Zumindest nicht für ein paar Jahre. Und es ist das Schöne an diesem Film, dass der Zuschauer merkt, dass manche Ideale der Truppe um Peter doch nicht so verkehrt waren. Denn wer redet heute noch vom Atomstrom?