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Ganz nah dran: «Paradise Now» Der gelobte und umstrittene Film über palästinensische Selbstmordattentäter startet in den Kinos Von Sabine Horst (epd)
Frankfurt a.M. (epd). «Weil ihr keine Angst vor dem Tod habt, habt ihr Macht über das Leben,» sagt Jamal, der Rekrutierungsoffizier einer unbenannten Terrororganisation, zu den jungen Männern. Said (Kais Nashef) und Khaled (Ali Suliman) haben nicht viel zu sagen. Sie lassen sich rasieren und waschen, werden mit Bombengürteln ausgestattet und in schwarze Anzüge gesteckt. Als Hochzeitsgäste getarnt sollen sie die Grenze des Westjordanlands passieren und in Tel Aviv eine «Mission» erfüllen. Die beiden sind Selbstmordattentäter - und Helden eines Films, der derzeit in den Medien hochgespielt wird, aber nicht ganz unumstritten ist. Seit seiner internationalen Premiere auf den diesjährigen Berliner Filmfestspielen rückte «Paradise Now» immer nachdrücklicher ins öffentliche Bewusstsein. Die Produktion, gedreht mit deutschem, französischem und niederländischem Geld in Nablus und Nazareth, wurde inzwischen in fünfzig Länder verkauft und geht, wie Anfang der Woche bekannt wurde, für Palästina ins «Oscar»-Rennen. «Paradise Now» wurde inszeniert von dem Regisseur Hany Abu-Assad, einem Palästinenser mit israelischem Pass, der seit fünfzehn Jahren in den Niederlanden lebt. Das Werk gilt als erster Spielfilm, der sich mit der Figur des Selbstmordattentäters beschäftigt. Auffallend ist, dass der Film auf jede Form von Erörterung verzichtet und sehr nah an den Protagonisten bleibt. Geschildert wird nur, was die jungen Männer in den Tagen vor dem Attentat erleben, wie sie sich vorbereiten, zaudern, wie der Plan schief geht und sich die Wege der beiden trennen. Weitgehend im Dunkeln bleibt der Prozess der Rekrutierung und Konditionierung der Attentäter. Und von den Folgen der Tat ist schon gar nicht die Rede. Das sei nicht sein Thema, sagt der Regisseur. Befürworter des Films rühmen gerade seine «undidaktische» Machart. Auf der Berlinale wurde «Paradise Now» nahezu einstimmig von der Kritik gelobt. Er gewann den Publikumspreis, den Preis der Menschenrechtsorganisation amnesty international sowie einen «Blauen Engel» für den besten europäischen Film. In Deutschland bekam er eine Verleihförderung und wurde von der Bundeszentrale für Politische Bildung zur Verwendung im Unterricht aufbereitet. Unumstritten ist «Paradise Now» freilich nicht. Im Internet und bei antifaschistischen Gruppen regte sich Widerstand, eine Vorpremiere des Films in Essen Anfang September wurde von einer Flugblattaktion begleitet. Die «Paradise No»-Fraktion der Gegner wirft dem Film vor, er blende den antisemitischen Hintergrund der Attentate aus und weise die Schuld an der Lage im Nahen Osten einseitig Israel zu. Der Berliner «Tagesspiegel» (online) fragt in einem Kommentar, ob der Zuschauer nicht dazu gebracht werde, «Sympathien für Leute zu empfinden, die andere in die Luft sprengen.» Die Jury der Evangelischen Filmarbeit hat «Paradise Now» diskutiert und als «Film des Monats» verworfen. Das wichtige Thema sei unzureichend bearbeitet, weil nicht verständlich werde, wie der Hass entsteht, erklärt der Jury-Vorsitzende Werner Schneider-Quindeau: «Es wird nicht klar, dass die Ausbildung von Selbstmordattentätern eine extrem strategisch und politisch ausgetüftelte Operation ist.» Ein Fall von «gut gedacht, aber schlecht gemacht» also? Tatsächlich fügt sich «Paradise Now» mit seiner Nähe zu den Hauptfiguren in einen aktuellen Trend zur Unmittelbarkeit, der im Dokumentarfilm sowie im historisch-politischen Spielfilm zu beobachten ist: Als lediglich beschreibendes «Täterprofil» wurde Abu-Assads Film nicht ganz zufällig mit Oliver Hirschbiegels Hitler-Drama «Der Untergang» verglichen. Vielleicht wird «Paradise Now», der im Oktober auch in Israel anlaufen soll, eine fruchtbare Debatte anstoßen. Aber man kann nur mutmaßen, was die letzte Einstellung bei einem Zuschauer in Tel Aviv auslösen könnte. Da sitzt Said hinten in einem Bus, die Kamera ist ganz nahe an ihn herangefahren, so dass die anderen Fahrgäste, Soldaten und Zivilisten, aus dem Bild verschwinden. Dann geht Saids Gesicht in einer Weißblende auf - und der Zuschauer weiß nicht mehr recht, hat er einen Mord gesehen? Oder nur einen Selbstmörder? (10771/28.9.2005) Bitte füllen Sie die markierten Felder (korrekt) aus."; } else { $name_emp="Name des Empfängers"; $mail_emp="E-Mail des Empfängers"; $name_sen="Ihr Name"; $mail_sen="Ihre E-Mail"; } ?> epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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