Per Anhalter durch die Galaxis

Verloren im All: endlich ein abgedrehter Science-Fiction-Film

Ganze Generationen von Science-Fiction-Fans haben sich schon an dem Kultbuch von Douglas Adams erfreut, das unter anderem die Frage nach dem Sinn des Unviversums beantwortete („42“). Die Kinoversion hat den lässigen Ton des Buches beibehalten.

Boy meets girl: ein junger Mann (natürlich schüchtern) trifft seine Traumfrau, verliert sie an den selbstsicher auftretenden Konkurrenten und versucht, sie zurückzuerobern. Eine altbekannte Geschichte, die dieser Film erzählt – nur, dass hier zwischendurch die Erde zerstört wird. Die Liebesgeschichte ist eine Konzession an das große Publikum, aber man nimmt sie gerne in Kauf (auch wegen der sympathischen Darsteller), denn was drum herum passiert, das ist wirklich „abgefahren“. Origineller wird der Science-Fiction-Film in diesem Jahr wohl nicht mehr werden können, nach den (vermutlichen) Materialschlachten von George Lucas und Steven Spielberg werden wir uns diesen Film in einigen Monaten mit noch größerem Vergnügen ein weiteres Mal ansehen. „Zukunft“ zielt hier nicht auf Überwältigung durch Gigantomanie, sondern auf kleine Irritationen – die mit dem Verschwinden der Delfine beginnen, die die Menschheit nicht mit zirzensischen Kunststücken unterhalten, sondern vor dem bevorstehenden Ende dieses Planeten warnen wollten. Das zu begreifen reichte die Intelligenz der Menschen allerdings nicht aus.

In der Tradition der großen Satiriker ist das fremde Universum des Films ein Zerrspiegel des Eigenen, ganz explizit zu Beginn, wenn das Haus von Arthur Dent zugunsten einer Umgehungsstraße dem Erdboden gleich gemacht wird. Wenig später sprengen Außerirdische die Erde in die Luft – zugunsten einer galaktischen Umgehungsstraße. Einwände kontern sie mit demselben Hinweis wie ihre irdischen Kollegen: Die Planungsunterlagen lagen genug zur Einsicht aus (wenn auch bei ihnen auf dem Planeten Alpha Centauri).

Die Erde ist nicht mehr, überlebt hat nur Arthur Dent, dank eines galaktischen Freundes, dem er einst das Leben rettete, kein Austauschstudent, wie er bisher annahm, sondern ein Außerirdischer. Per Anhalter reisen sie durch die Galaxis, treffen einen exaltierten Präsidenten (Sam Rockwell) mit zwei Köpfen, aber ohne Gehirn (dem man zugute halten muss, dass er Trish McMillan entführt hat, Arthurs Liebe, die damit der zweite überlebende Erdling ist), einen depressiven Roboter und die finster dreinblickenden Vogonen (die im Grunde ihres Herzens nichts als Bürokraten sind). Unterwegs verwandeln sich ihr Raumschiff und darauf abgefeuerte Bomben bei Betätigen eines bestimmten Knopfes auch schon mal in ein Wollknäuel, einen Pottwal oder Blumentopf, während ein Mini-Laserschwert im Moment des Brotschneidens Weißbrot in Toast verwandelt. Der Film bietet jede Menge Deja-vu-Momente, aber eben nicht in Form des auftrumpfenden Zitats, sondern lässig hingeworfen. Die Bestandteile dieser fremden Galaxie sind uns vertraut (finster dreinblickende Aliens, gigantische Raumschiffe) – es geht darum, was man daraus macht.

Per Anhalter durch die Galaxis besticht durch seine Verbindung von Gegensätzen: Computereffekte, um riesige galaktische Werkstätten darzustellen, andererseits stammen die Vogonen aus der Werkstatt von Jim Henson, sind also Puppen. Manches bleibt auch ganz der Imagination des Publikums überlassen – das schreckliche Monster, an das Trish McMillan verfüttert werden soll, ist nie zu sehen, sondern nur zu hören. Die Wesen, die unsere Freunde auf einem fremden Planeten attackieren, indem sie ebenso schnell aus dem Sand unter ihren Füßen auftauchen wie wieder verschwinden, wirken wie Fliegenklatschen und könnten aus einem Monty-Python-Sketch stammen.

Die lange und komplizierte Produktionsgeschichte des Films, gekennzeichnet einerseits durch den überraschenden Tod des Autors Douglas Adams (der 2001 im Alter von 49 Jahren einem Herzanfall erlag), andererseits durch den Spagat, weltweit ein großes, junges Publikum anzusprechen, ohne dabei die nicht geringe Fangemeinde des Buches zu vergrätzen, sieht man dem Film glücklicherweise nicht an, ebenso wenig, dass er kein originäres Werk ist, sondern nur ein Recycling, eine weitere Verwertungsstufe in einem lukrativen Unternehmen, das 1978 als Radioserie der BBC begann, ein Jahr später als Buch vorlag (dessen deutsche Taschenbuchausgabe es mittlerweile in der 24. Auflage gibt), das weltweit über 15 Millionen Exemplare verkaufte und dem mehrere Fortsetzungen folgten. 1981 adaptierte es das britische Fernsehen als Mehrteiler. Die Kinoversion wurde für weniger als 50 Millionen Dollar in einem britischen Studio gedreht, von einem Regisseur und einem Produzenten, die bisher nur durch originelle Videoclips von sich Reden gemacht hatten.

Per Anhalter durch die Galaxis ist trotz des amerikanischen Geldes erfreulicherweise ein sehr britischer Film geworden. Für den Protagonisten Arthur Dent, der den ganzen Film über mit gestreifter Schlafanzughose und Bademantel bekleidet verbringt, bedeutet Normalität eine Tasse Tee. Was in den letzten Filmen der Produktionsfirma Working Title (Thunderbirds, Johnny English) gleichermaßen betont wie gequält daherkam – britische Eigenheiten gleichermaßen zu feiern und zu karikieren – das bewältigt Per Anhalter durch die Galaxis mit angenehmer Beiläufigkeit, unterstützt durch einheimische Talente wie den Fernsehkomiker Martin Freeman (als Arthur Dent), Stephen Fry, der die joviale Kommentarstimme beisteuert, und Bill Nighy der als melancholischer Planetendesigner den Protagonisten teilhaben lässt an der Wiederherstellung der Erde. 

Frank Arnold

Die Verfilmung von Douglas Adams’ gleichnamigen Kultbuch über die galaktischen Abenteuer von Arthur Dent ist ein höchst vergnüglicher Science-Fiction-Film geworden, der mehr mit dem surrealistischen Humor von Monty Python als mit amerikanischen Materialschlachten gemein hat.

The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy
USA/Großbritannien 2005. R: Garth Jannings. B: Douglas Adams, Karey Kirkpatrick. P: Gary Barber, Roger Birnbaum, Jonathan Glickbaum, Jay Roach. K: Igor Judue-LIllo. Sch: Niven Howie. M: Joby Talbot. T: Mark Holding. A: Joel Collins, Daniel May, Frank Walsh. Ko: Sammy Howarth, Sammy Sheldon. Sp: Agnus Bickerton. Pg: Touchstone/Spyglass Entertainment/Hammer and Tongs/Everyman. V: Buena Vista. L: 110 Min. Da: Martin Freeman (Arthur Dent), John Malkovich (Humma Kavula), Sam Rockwell (Zaphod Beeblebrox), Mos Def  (Ford Prefect), Zooey Deschanel (Trillian), Bill Nighy (Slartibartfast), Su Elliott (Pub Customer), Warwick Davis (Marvin), Kelly Macdonald (Reporter).

epd Film 6/2005



Start: 9.6. (D, A, CH)




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