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  Hilfe im Baby-Stress
Projekt "Wellcome" unterstützt bald junge Familien in Bayern bei Überlastungen


Von Thomas Morell

München (epd).

Tatkräftige Hilfe für junge Familien im Baby-Stress - das ist das Ziel von "Wellcome". Vor sechs Jahren startete Rose Volz-Schmidt in Norderstedt (bei Hamburg) das evangelische Sozialprojekt. Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens (CSU) hat die ersten beiden Wellcome-Standorte in München eröffnen. Anfang Oktober folgt Bayreuth. Derzeit unterstützen rund 70 Wellcome-Teams mehr als 1.000 Familien. Prominente Schirmherrin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Das Konzept ist einfach: Frauen, die im Umgang mit Kindern erfahren sind, gehen zwei bis dreimal pro Woche in die Familien und packen mit an. Die Hilfe reicht von Hausarbeiten über gemeinsame Arztbesuche bis zur Betreuung der älteren Geschwisterkinder. Beschränkt ist das Angebot auf die ersten Wochen nach der Geburt. Die Familien zahlen vier Euro pro Stunde an "Wellcome". Die ehrenamtlichen Helferinnen bekommen nur die Auslagen ersetzt. Zielgruppe seien "ganz normale Familien", sagt Volz-Schmidt. "Viele Mütter denken, nur sie allein hätten solche Probleme nach der Geburt."

Der Anstoß für "Wellcome" kam aus eigener leidvoller Erfahrung. Nach der schweren Geburt der ersten Tochter vor 16 Jahren war die Mutter völlig erschöpft. "Aber ich hatte niemanden, der mit unter die Arme greifen konnte", erinnert sich die gebürtige Schwäbin Volz-Schmidt. Als vier Jahre später noch einmal Zwillinge zur Welt kamen, brach das Familienleben fast völlig zusammen. "Wir waren nur noch mit dem Überleben beschäftigt." Damals kam der Leiterin einer evangelischen Familienbildungsstätte die Idee für ein Hilfsprojekt, das Mütter im Baby-Stress unterstützt und sie aus der Isolation holt.

Für das seit 2002 gestartete Projekt erhielt Volz-Schmidt mehrere Auszeichnungen, darunter den Bundespreis des Wettbewerbs "startsocial". Die Auszeichnung 2007 zur "Social Entrepeneur" öffnete schließlich viele Türen in den höheren Etagen der Wirtschaft.

Das Projekt kann relativ leicht an anderen Orten eingerichtet werden. Notwendig ist ein erfahrener Träger wie Diakonie, Arbeiterwohlfahrt oder Kinderschutzbund. In Hamburg ist auch die Türkische Gemeinde dabei. Nach Niedersachsen mit 27 Standorten richtet Volz-Schmidt nun den Blick nach Süden. In Baden-Württemberg wurde in diesem Jahr der erste Standort in Schwäbisch-Hall eröffnet. In den östlichen Bundesländern läuft es dagegen nur schleppend an. Es fehle, so Volz-Schmidt, ein tragfähiges Netz von Verbänden.

Die 52-Jährige sieht "Wellcome" auch als politischen Beitrag. Die gesellschaftliche Spaltung zwischen Eltern und Kinderlosen werde zunehmen, prognostiziert sie. Kinder zu haben sei schon heute ein Armutsrisiko. Für Kinderwagen oder Windeln fordert sie deshalb die reduzierte Mehrwertsteuer. Eltern werden zunehmend im beruflichen Fortkommen, aber auch in der Bildung oder im Kulturleben benachteiligt. "Die Familien werden zu Verlierern." Dem will sie ihr "Wellcome" entgegensetzen.

Internet: http://www.wellcome-online.de/(1441/15.09.08)






 
 

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